Strategien zur Vermeidung von Spitaleinweisungen in der stationären Langzeitpflege

Veröffentlicht am 2. Mai 2024 um 06:00

In der Langzeitpflege ist die Vermeidung von Spitaleinweisungen ein wichtiges Ziel, um die Gesundheit und die Lebensqualität der Bewohnenden zu erhalten. Durch unterschiedliche Ansätze können Pflegeeinstitutionen effektive Massnahmen ergreifen, um Notfalleinsätze und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren. In diesem Blogartikel werden einige bewährte Strategien vorgestellt, die dabei helfen können, Spitaleinweisungen von Bewohnenden in der Pflegeinstitution zu vermeiden.

 

Interprofessionelle Zusammenarbeit

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegenden, Ärztinnen/Ärzten und anderen Gesundheitsdiensten ist entscheidend, um frühzeitig auf Gesundheitsprobleme reagieren und adäquate Massnahmen ergreifen zu können. Die Durchführung von regelmässigen (interprofessionellen) Fallbesprechungen (z.B pflegegeleitete Fallbesprechungen) mit einer gemeinsamen Entscheidungsfindung können dazu beitragen, individuelle Therapie- und Pflegepläne zu erstellen, die auf die Bedürfnisse der Bewohnenden zugeschnitten sind und präventive Massnahmen beinhalten (ergänzende Informationen zu Personzentrierte Haltung und dessen Förderung in der Langzeitpflege gibt es im Blogartikel).

 

Schulung und Unterstützung von Pflegenden

Studien haben gezeigt, dass Pflegende mit höheren Bildungsabschlüssen (Bachelor oder Master) die Qualität der Pflege positiv beeinflussen können, was sich vorteilhaft auf die Gesundheit der Bewohnenden auswirkt. Dies zeigte sich beispielsweise in einer tieferen Komplikatiosrate, weniger (Re-) Hospitalisationen und einer tieferen Sterblichkeitsraten (ergänzende Informationen zu Pflegeexperten/innen APN und deren Mehrwert für die Langzeitpflegeinstitutionen gibt es im Blogartikel).

Gut ausgebildetes Pflegepersonal spielt also eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Spitaleinweisungen. Das Fördern von Weiterbildungen von Pflegefachpersonen (z.B.mit dem CAS INTERCARE) und/oder kontinuierlichen Schulungen zu Themen wie Symptomerkennung und -management, frailty oder palliative care, können die Kompetenzen und das Sicherheitsgefühl der Pflegenden erhöhen. Zudem ist es wichtig, ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem die Pflegenden offen über Herausforderungen sprechen können und Zugang zu Supervision und Beratung haben, z.B. durch eine/n Pflegeexperten/en.

 

Assessments

Durch einen gezielten und definierten Einsatz von Assessments können potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig erkannt, erfasst und behandelt werden. Ein Schwerpunkt kann beispielsweise bei der Prävention von Stürzen, Infektionen, Mangelernährung, Schmerzen oder Medikamentenfehlern liegen. 

 

Gesundheitliche Vorausplanung (ACP)

Eine gesundheitliche Vorausplanung (Advanced Care Planning oder ACP) kann dazu beitragen, die Anzahl der Spitaleinweisungen von pflegebedürftigen Menschen zu reduzieren, indem klare Anweisungen und Präferenzen für die Behandlung im Falle einer gesundheitlichen Verschlechterung festlegt werden. Durch ACP können individuelle und personzentrierte Wünsche und Bedürfnisse der Bewohnenden besser berücksichtigt werden, was zu einem verbesserten Symptommanagement führt. 

 

Förderung von sozialer Teilhabe und Lebensqualität

Eine aktive soziale Teilhabe und eine hohe Lebensqualität tragen massgeblich zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Bewohnenden bei. Pflegeinstitutionen sollten daher Programme und Aktivitäten anbieten, welche die soziale Interaktion fördern und den Bewohnenden ermöglichen, ihre Interessen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterhin auszuüben. Ein ganzheitlicher Ansatz, der körperliche, geistige, emotionale und spirituelle Bedürfnisse berücksichtigt, ist dabei als zentral zu betrachten. CURAVIVA erstellte ein Lebensqualitätskonzept zur Unterstützung bei der Implementierung.

 

Einsatz von Telemedizin und Technologie

Telemedizinische Angebote ermöglichen es, medizinische Versorgung auch ausserhalb von Spitälern zu gewährleisten. Durch die Nutzung von Telemonitoring, Video-Konsultationen und digitalen Gesundheitsanwendungen können Pflegeinstitutionen schnell auf Veränderungen des Gesundheitszustandes der Bewohnenden reagieren und gezielte Massnahmen durchführen.

 

Literatur

Bischoff, K., O'Riordan, M., Perkins, S., & Heffner, J. (2017). Advanced Care Planning: A Roadmap for Quality Outcomes. ISBN: 978-3-319-51012-1.

Guerbaai, R.A., Serdaly, C., Simon, M., De Pietro, C., Basinska, K., Wellens N.I.H., Bartakova, J., Kressig, R.W., Zeller, A., De Geest S., Zúñiga, F. (2023). Ein pflegegeleitetes Versorgungsmodell zur Stärkung der geriatrischen Kompetenz in Pflegeinstitutionen: Implementierung und Evaluation des INTERCARE-Modells. Institut für Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, Universität Basel. Abgerufen auf www.intercare.nursing.unibas.ch/publikationen/

Hickman, S. E., Keevern, E., & Hammes, B. J. (2018). Use of the Physician Orders for Life-Sustaining Treatment (POLST) Paradigm Program in Hospice and Palliative Care Settings: A Review of the Literature. Journal of the American Medical Directors Association, 19(10), 901-909.

Mileski, M., Pannu, U., Payne, B., Sterling, E., & McClay, R. (2020). The impact of nurse practitioners on hospitalizations and discharges from long-term nursing facilities: A systematic review. Healthcare (Basel), 8(2). https://doi.org/10.3390/healthcare8020114